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Einladung zum Tag des Denkmals am 13. September 2026

rgangenheit in Brück

Tag des Denkmals: unsere Führung in Brück

Alte Schule und Gräfenhof – Zeugen der Vergangenheit in Brück

Die Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück beteiligt sich in diesem Jahr erneut nach einer längeren Pause am deutschlandweiten „Tag des Denkmals“. Schirmherr der Veranstaltungen in Köln ist der Oberbürgermeister.

Eigentlich sollte das Traditionslokal „Em Hähnche“ im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen. In 2025 fand sich endlich ein Käufer für das imposante Ensemble. Wegen laufender Renovierungsarbeiten innerhalb des Gebäudes ist aber leider eine Besichtigung im Augenblick nicht möglich.

Wir haben uns nun entschieden, zwei Gebäude, die die Geschichte Brücks geprägt haben, vorzustellen. Unter der fachkundigen und humorvollen Leitung von Dr. Fritz Bilz wird neben der alten Schule mit ihrem sehenswerten Gewölbekeller ein weiterer Ort von historischer Bedeutung im Ort angesteuert – der Gräfenhof.

Bild: die alte Schule 1994 (GW-Archiv)

Deutlich jünger, 1821 erbaut, ist das alte Schulhaus, das einen Klassenraum und die Wohnung des Lehrers enthielt. Es ist bis heute erhalten und beherbergt nach dem Bau der neuen Schule seit 1992 ein Restaurant. Zuletzt bekannt als „Weinhaus Alte Schule“ hat der neue Pächter das Restaurant kürzlich umbenannt in „Casa Pequena“.

Der Rundgang dauert etwa 90 Minuten und ist für Jung und Alt geeignet. Die Teilnahme ist kostenlos.

Treffpunkt: „Casa Pequena“ (alte Schule), Olpener Str. 928, 51109 Köln
Beginn: 11.30 Uhr, Dauer: ca. 90 Minuten
Leitung: Dr. Fritz Bilz
Anmeldung: nicht erforderlich
Kosten: Alle Veranstaltungen im Rahmen des Denkmaltags sind kostenlos.
Über eine Spende freuen wir uns. Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich und für Menschen ab 6 Jahre geeignet.




Nachruf: Der Zeitzeuge Hartmut Unger ist gestorben

Janina Unger informierte mich, dass ihr Ehemann, Hartmut Unger, am 28. Juli 2026 in Berlin in seiner Wohnung gestorben ist. Er wurde 97 Jahre alt (geb. 8. März 1929 in Eberswalde).

Hartmut war das einzige Kind von Charlotte und Otto Unger. Der Vater war Jude, seine Mutter Nichtjüdin. So bezeichneten ihn die Nazis als „Mischling ersten Grades“. Die Familie lebte lange in Berlin bis sie 1930 nach Siegburg und 1936 nach Köln zog und 1937 nach Köln-Brück, Langen Bruch 32.

Aufgrund der Nürnberger Gesetze wurde Otto Unger, der Studienrat war, 1936 aus dem Schuldienst entlassen. Er wurde bis nach Kriegsbeginn zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Sohn Hartmut besuchte die Volksschule in Merheim und danach die Oberrealschule für Jungen am Hansaring.

Als „Mischehe“ blieb die Familie vorerst geschützt bis sie am 9. September 1944 die Aufforderung erhielt, sich im Deportationslager Köln-Müngersdorf einzufinden. Das war die Vorstufe zum Transport ins Konzentrationslager Theresienstadt. Ende September sollten die Insassen des Lagers Müngersdorf ins KZ verbracht werden. Nur wenige Tage vorher tauchte die Familie Unger unter. Otto Unger wurde im Keller des Gartenhauses von St. Alban in Gürzenichnähe durch den Kaplan Dr. Karl Koch bis zur Befreiung versteckt und konnte so überleben. Die Mutter mit dem Sohn Hartmut wurde in Ostdeutschland in Oranienburg versteckt. Aufgrund einer Denunziation wurden beide verhaftet und kamen ins Gefängnis nach Cottbus. Dort wurden sie überraschend am 8. Januar 1945 freigelassen. Die russische Front rückte immer näher und man befürchtete wohl Rachemaßnahmen.

Im Spätsommer war die Familie unversehrt wieder vereint. Otto Unger wurde als Studienrat im Jungengymnasium Schaurtestraße in Köln-Deutz eingesetzt. Hartmut Unger machte sein Abitur und studierte Ingenieurwesen in Aachen. Die Familie blieb in Brück bis 1966, der Sohn war inzwischen ausgezogen, bis sie nach Refrath in einen Bungalow zog. Nach dem Tod seiner Frau 1975 zog Otto Unger zu seinem Sohn nach Ahlen in Westfalen. Dort starb er am 31. Juli 1984.


Hartmut Unger hatte als Diplomingenieur mehrere Dezernentenstellen in Nordrhein-Westfalen inne. Nach seiner Pensionierung zog er zu seiner zweiten Frau Janina nach Berlin, wo er jetzt verstarb. Die Bekanntschaft mit Hartmut Unger begann für die Geschichtswerkstatt Köln-Brück 2002 nach der Herausgabe des Buches Nr. 10 „Gegen das Vergessen“ im selben Jahr. Dabei fiel mir die Aufgabe zu, die Geschichte der Brücker Juden zu erforschen. Dabei stieß ich auf die Familie Unger. Bald meldete sich ein Schüler Otto Ungers bei mir, der mir half, weitere Schüler dieses Lehrers ausfindig zu machen, um weitere Informationen zu erlangen. Auch der Sohn Hartmut Unger hatte das Buch gelesen und unterstützte mich bei meinen Recherchen. Mehrmals fuhr ich zu ihm nach Berlin, um ihn zu interviewen. Dabei übergab er mir reichhaltiges Bildmaterial. Oft besuchten mich die Ungers in Brück zu gemeinsamen Essen und Gedankenaustausch. So entstand eine Freundschaft, die bis heute anhält.


Das Ergebnis all dieser Recherchen war die 2020 erschienene 14. Publikation der Brücker Geschichtswerkstatt „Otto Unger. Von Nazis verfolgt, im Versteck überlebt, Demokratie gelehrt“, die damals in der Germania Judaica am Neumarkt vor über 100 Zuhörern im Beisein von Hartmut und Janina Unger vorgestellt wurde.

Im Jahre 2021 startete die Brücker Käthe-Kollwitz-Realschule ein „Zweit­zeugen­projekt“. Das Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal von Verfolgten des Naziregimes so bekannt zu machen, dass sie dadurch in die Lage versetzt werden, in die Rolle der verfolgten Person zu schlüpfen.  Die Schülerinnen und Schüler suchten sich das Schicksal der Familie Unger aus. Es traf sich gut, dass Hartmut Unger mit seiner Frau Janina im November in Köln weilte und so wurde ein Treffen in der Realschule mit ihm arrangiert. Nach dem Interview, dem sich mehrere Schüler stellvertretend für Hartmut Unger stellten, war die Gelegenheit gegeben, Hartmut Unger Fragen zu seinen Erfahrungen aus dieser Zeit zu stellen. Er war sehr überrascht, wie stark die Schüler sich in das Familienleben der Ungers eingearbeitet hatten. Für alle war es eine sehr bewegende Stunde. Alle Schülerinnen und Schüler erhielten anschließend das Buch der Geschichtswerkstatt Brück über das Leben der Ungers.

Das Begräbnis von Hartmut Unger wird auf dem Ostfriedhof Köln-Dellbrück stattfinden. Dort liegen schon die Ehefrau von Otto Unger, Charlotte, geb. Werchan und seine Schwiegereltern.

Die Werkstatt für Ortsgeschichte wird dieses aufrechten Menschen Hartmut Unger ewig gedenken.

Dr. Fritz Bilz

Foto oben: Lesung in der Germania Judaica (2020)
Foto unten: Zweitzeugenprojekt in derKäthe-Kollwitz-Realschule (2021)
 


Rückblick: Reinhard-Engert Preisverleihung 2026

Vor der imposanten Kulisse der versammelten Schüler-, Lehrer- und Elternschaft und in Anwesenheit der Jury-Mitglieder Claudia Greven-Thürmer (Bezirksbürgermeisterin Kalk), Dr. Dirk Lucassen (NSDOK), Dr. Fritz Bilz (Geschichtswerkstatt) würdigte die Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, Dr. Ingrid Hege-Wilmschen, in einer kurzen Laudatio die Arbeit der Schülerinnen und Schüler.

Dazu gehört der Aspekt der Nachhaltigkeit des Erinnerungskonzepts der Schule, d. h., dass in langjähriger Arbeit dieses Konzept immer weiter ausgebaut wurde.

Hinzu kommt, dass mit den Materialen verschiedene Lern-Ebenen angesprochen werden. Es geht nicht nur um reine Wissensaufnahme zum Schicksal der jüdischen Schülerinnen und ihrer Familien, sondern auch um das In-sich-Hineinversetzen in die Situation und die Schicksale, d. h. es wird Empathie erzeugt und die Schülerinnen und Schüler werden zur Kreativität angeregt. Ein Beispiel aus dem Arbeitsmaterial verdeutlicht das:

„Suche ein Bild aus, mit dem du dich am meisten identifizieren kannst.“ Oder „Versetze dich in die dargestellte Person hinein – wer mag sie sein, was mag sie gerade bewegen? Schreibe einen kurzen Tagebucheintrag oder gib dem Bild eine Gedankenblase.“

Nachhaltiges Lernen ist nur über diese verschiedenen Zugänge möglich. Dies zeigt auch ein weiterer Baustein der Materialien, in dem es unter dem Titel „Luises aktive Erinnerung“ um die Arbeit mit dem Erinnerungskonzept der Schule und die Erforschung der Stolpersteine geht und auch Apps und Videos zum Einsatz kommen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Materialien an jüngere Schülerinnen und Schüler adressiert sind und damit die Erinnerungsarbeit bereits in jungen Jahren einen wichtigen Stellenwert bekommt.

Auch die aktuelle Relevanz dieser Arbeiten wurde hervorgehoben, da vor allem von Seiten der AfD ein Ende der Gedenkkultur propagiert wird. Umso wichtiger ist es, das Verständnis für unsere Geschichte und die Erinnerung von klein auf zu schärfen, damit autoritäre Bewegungen keine Chance bekommen.
Den Schlusspunkt bildete die Verleihung der Urkunden an die Schülerinnen und Schüler und ein Besuch der Gedenkvitrine.

Inzwischen hat der WDR angefragt, ob er im Rahmen seiner Seite „Stolpersteine NRW“ über die Preisverleihung berichten darf. (ihw)  


Fotosammlung Ludemann bereichert das Fotoarchiv

Bereits im Newsletter 06/2026 erwähnten wir, dass uns die Brückerin Elisabeth Ludemann eine Fotosammlung ihres verstorbenen Ehemannes zur Digitalisierung überlassen hatte. Insgesamt handelt es sich um 119 Fotos mit den Schwerpunkten Olpener Straße und Brücker Mauspfad, die den Zeitraum von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 80-er Jahre umfassen. Vereinzelt finden sich Postkarten und Zeitungskopien darunter, aber auch historische Fotos aus dem Alltag sowie Brücker Ereignisse rund um die Kirche St. Hubertus (z. B. ehemalige Kapelle, Bau der neuen Pfarrkirche, die Glockenweihe). Interessant sind auch einzelne Gegenüberstellungen von Straßensichten früher und aus den 80-er Jahren. Veränderungen in der Bebauung Brücks lassen sich anhand von mehreren Luftaufnahmen nachvollziehen, die entweder vom Kirchturm aus geschossen wurden oder offenkundig von einem Überflug stammen. Die Sammlung Ludemann wird mit Sicherheit die eine oder andere Publikation der Geschichtswerkstatt bildlich bereichern. An dieser Stelle danken wir Elisabeth Ludemann für die Überlassung der Fotos.


Bild 1: Olpener Straße 885-887 (Kreuzung Mauspfad), ehemals Kohlenhandlung, abgerissen, zeitweise Sparkasse, jetzt Atelier Haar&Kosmetik, Datum unbekanntBild 2: Olpener Straße/ Kreuzung Mauspfad, Blick von Oberdorf auf Unterdorf, Datum unbekannt

Bild 3: Von Haus Schlömer aus fotografiert: Olpener Str. 881 (Fronhof)/ Ecke Mauspfad, abgerissen, jetzt EG Autogalerie, Datum unbekannt
Bild 4: Brücker Mauspfad Höhe Hs.-Nr. 503, Blick Richtung Straße Am Hirschsprung (links), alle Gebäude abgerissen, Datum unbekanntBild 5: Luftaufnahme Hubertuskirche, Blick nach NO, Mauspfad im Hintergrund, vor 1960Bild 6: Fronleichnamsprozession, Olpener Straße Höhe Haus-Nr. 831/829, 1935
Bild 7: untere Olpener Straße mit Lindensaal, Fuule Weet und Eisenwaren Werheit (Datum unbekannt)Bild 8: Einführung Pastor Bötzkes, 4.11.1951Bild 9: Einholung der ersten Glocken für die neue Kirche (Datum unbekannt, vermutl. 1931/32)
Bild 10: Glockenaufziehen, 26.10.1955Bild 11: Alte Brücker Kirche Rückansicht (1860-1934)